Nazi-Gegner wird Namensgeber

Einweihung des Bernhard-Schopmeyer-Hauses

Wenn wohnungslose Menschen in Osnabrück Hilfe suchen, wissen sie, wo sie hingehen können. Die Tageswohnung und die Fachberatungsstelle unterstützen seit zwei Jahrzehnten Betroffene am Standort Bramscher Straße 11. Bislang fehlte dem Haus ein Name, nun ist dieses Problem gelöst. Es heißt Bernhard-Schopmeyer-Haus.

Anlässlich seines 120. Geburtstages am 2. September ehrte der SKM - Katholischer Verein für soziale Dienste in Osnabrück den ehemaligen Diözesansekretär und entschiedenen Gegner des Nazi-Regimes Bernhard Schopmeyer. „Es geht mir sehr nahe und erfüllt mich mit Stolz“, berichtete Bernhard Schopmeyers Tochter Barbara Möller am Rande der Gedenkfeier. Sie war zwölf Jahre alt, als ihr Vater auf dem Weg nach Hause ermordet wurde: Am 23. Juni 1945, sechs Wochen nach Ende des Zweiten Weltkriegs, erschoss ein Unbekannter ihn im Bürgerpark.

An seinem Grab auf dem Hasefriedhof versammelten sich Angehörige, Mitglieder der Kirche, des SKM und Mitarbeiter von Tageswohnung und Fachberatungsstelle, um des Verstorbenen zu gedenken. Theo Paul, Generalvikar des Bistums Osnabrück, und Harald Niermann, KAB-Bezirkspräses, hielten den Gottesdienst. Die Andacht sollte nicht nur das Andenken an Bernhard Schopmeyer lebendig halten. Die Ehrung sei auch ein „Protest gegen das Vergessen der Opfer des Nationalsozialismus“ und ein Zeichen, „Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft zu übernehmen“, betonte Theo Paul.

Zeitreise in die Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts: Bernhard Schopmeyer, gelernter Zimmermann aus Hagen a.T.W., wird Arbeitersekretär im Bistum Osnabrück. Gleichzeitig engagiert er sich in der Zentrumspartei, wird Mitglied des Osnabrücker Rates und Abgeordneter im Provinziallandtag in Hannover. 1933 soll er Abgeordneter im Preußischen Landtag in Berlin werden. Dieses Vorhaben wird vereitelt: Die Nationalsozialisten schaffen die Demokratie ab.

Bernhard Schopmeyer kann sich nicht mehr öffentlich politisch engagieren. Die Machthaber schränken auch seine berufliche Tätigkeit ein. SA-Leute besetzen zeitweilig sein Büro. 1938 wird er Diözesansekretär. Einige Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird Bernhard Schopmeyer in die Wehrmacht eingezogen. Er engagiert sich im christlichen Widerstand – und begibt sich damit in Gefahr. „Ich stehe mit einem Bein im KZ“, sagt er seiner Frau.

Gleichzeitig entwickelt er Visionen für die Zukunft. In einem Brief aus dem Jahr 1940 heißt es: „Die zur Gestaltung drängenden Kräfte sind von größerem Ausmaß als viele erträumt haben. Es geht in diesem Ringen um zwei große Dinge: Politisch um die Neugestaltung Europas (eine Art vereinigte Staaten von Europa oder wie man es nennen will), religiös geht es um die Wiedervereinigung im Glauben.“

Gleich nach Kriegsende forciert er dieses Projekt und engagiert sich für die politische Neugestaltung. Er ist Mitbegründer der CDU. Auch seine Tätigkeit als Arbeitersekretär im Bistum nimmt er wieder auf. Zudem setzt er sich vehement dafür ein, dass die Nationalsozialisten unter anderem aus dem Schulwesen und der Justiz entfernt werden und dass sie ihre Wohnungen den Ausgebombten überlassen sollen. Mit diesem Engagement macht er sich Feinde. Wer ihn ermordet hat, ist zwar nicht bekannt, aber die Motivlage deutet auf einen Täter aus dem  Kreis der Nationalsozialisten hin. Bernhard Schopmeyer kannte die Nazistrukturen in Osnabrück, er hatte politisches Potenzial und wollte wieder aktiv werden. Es war eindeutig, gegen wen sich seine Politik richten würde.

75 Jahre später: Nach dem Besuch am Grab ging die Gemeinschaft zur Bramscher Straße 11 und machte die Namensgebung offiziell. Aufgrund der Corona-Pandemie waren die Beteiligten aufgefordert, Masken zu tragen und ihre Gesichter zu verhüllen. Ein Gesicht wurde aber feierlich enthüllt: das Bernhard Schopmeyers. Eine Gedenktafel ziert nun den Eingang.

Die Arbeit von Tageswohnung und Fachberatungsstelle spiegelt die Werte Schopmeyers wieder. So erklärt Ludger Schopmeyer, einer der Söhne des Ermordeten: „Wenn die Unmenschlichkeit zunimmt, geht es darum, einen Kontrapunkt zu setzen. Mein Vater hat es nicht hingenommen. Das erfüllt mich mit Stolz und sollte uns allen ein Ansporn sein.“

Text: Simon Geest, Fotos: Lukas Gruenke

 

3LSchopmHEinw