Bürgermedaille

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert:

Verleihung der Bürgermedaillen an die Redaktion „Abseits“, Herrn Dr. Gleisner und posthum an Herrn Henrichvark

am Dienstag, 10. November, 18 Uhr, im Friedenssaal

Sehr geehrter Frau Bauß-Henrichvark, sehr geehrter Herr Dr. Gleisner, sehr geehrter Mitglieder der Redaktion „Abseits“, sehr geehrte Bürgermedaillenträgerinnen und Bürgermedaillenträger, sehr geehrter Herr Ehrenbürger Fip, sehr geehrter Ratskolleginnen und -kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie ganz herzlich im Friedenssaal unseres historischen Rathauses zu diesem feierlichen Empfang. Ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind – Angehörige, Begleiter, Freunde und Weggefährten. Ich freue mich, dass wir gemeinsam diejenigen ehren können, die uns stellvertretend ein Beispiel dafür sind, dass Geben ein Nehmen und auch umgekehrt Nehmen ein Geben ist. Ohne diese Wechselbeziehung würde das am Allgemeinwohl orientierte öffentliche Leben unserer Gesellschaft auseinanderfallen und verarmen. Gegen diese Verarmung setzen diejenigen, die wir mit der Bürgermedaille ehren, ihr Engagement, durch das sie unsere Gesellschaft bereichern und darüber auch sich selbst.

Mit der Verleihung einer Bürgermedaille blicken wir gemeinsam zurück, um Menschen zu ehren, deren Lebensweg durch ein hohes Maß an ehrenamtlichem Engagement geprägt ist. Und wenn wir uns dann der Zukunft zuwenden, hoffen und wünschen wir, dass der Geehrte seine Auszeichnung als Motivationsschub nimmt, um auch weiterhin viel ehrenamtliches Engagement zum Wohle der Allgemeinheit zu entfalten. Mit dieser Motivation sollen die Geehrten nicht sparsam umgehen. Ganz im Gegenteil: Wuchern Sie mit der Ehrung, indem sie andere anstiften, Ihrem Beispiel zu folgen.

Meine Damen und Herren,

heute ist es anders: Wir sind zu spät. Wir hätten gern Frank Henrichvark persönlich mit der Bürgermedaille geehrt. Wir hätten ihn gern herausgestellt – ihn den Osnabrücker par excellence. Er war ein Mann mit Prinzipien, aber nie ein Prinzipienreiter. Wir hätten uns gern bei ihm bedankt für seine konservative, weltmännische Art, die seine Gesprächspartner immer ein kleines bisschen größer gemacht hat: In seiner Gegenwart konnte man wachsen, ohne dabei abzuheben. Und so hat er auch seine Stadt – Osnabrück – ein kleines bisschen größer gemacht als sie sich bisweilen selbst darstellt. Und so hätte er uns auch heute ein bisschen größer gemacht – aber wir sind zu spät.

Frank Henrichvark ist gestorben nur wenige Tage nach dem der Verwaltungsausschuss im März beschlossen hatte, sein bürgerschaftliches Engagement mit der Bürgermedaille zu ehren. Und so danke ich Ihnen, sehr geehrte Frau Bauß-Henrichvark, dass Sie heute zu uns gekommen sind. Er hätte sie angenommen und er hätte uns bestimmt mit einer kleinen Osnabrücker Geschichte beglückt, die uns bereichert hätte. Als Journalist hat er den Osnabrückern die Geschichten Osnabrücks erzählt. Das städtische Klinikum war ihm bestens vertraut – so gut, dass er bisweilen mehr und früher Interna wusste als Geschäftsführer und Aufsichtsrat.

Aber wir erinnern an ihn und ehren ihn heute eigentlich nicht, weil er als Journalist den Sinn für das Anekdotische in den Ereignissen, über die er zu berichten hatte, nie verloren hat. Wir ehren ihn insbesondere als jahrelangen Wort- und Buchhalter der Heger Laischaft. Als dieser hat er uns gezeigt, wie man mit der Zeit gehen und doch die Tradition mitnehmen kann. In diesem Sinne hat er alle sieben Jahre den Schnatgang organisiert. Zum letzten Mal hat er 2011 „Nauberslüe un tolopen Volk“ eingeladen. Als Geschichtenerzähler hat er Vergangenes aufleben lassen und dieses seinen Gesprächspartnern eingepflanzt. So ging nichts verloren. Und so geht ER uns nicht verloren. 

Dafür hätten wir ihn gern persönlich mit der Bürgermedaille geehrt. In der Urkunde heißt es: „Diese Auszeichnung erfolgt in Anerkennung seines vielfältigen, ehrenamtlichen Engagements für seine Heimatstadt Osnabrück und ihre Geschichte. Insbesondere wird sein außerordentlicher Einsatz für die Heger Laischaft gewürdigt, deren Wort- und Buchhalter Herr Henrichvark zwanzig Jahre war.“

Lassen Sie uns also einen Moment innehalten. Dafür bitte ich Sie, sich zu erheben, um seiner im Stillen zu gedenken.

Ich danke Ihnen. Wir werden Frank Henrichvark ein ehrendes Andenken bewahren.

Meine Damen und Herren, sehr geehrter Herr Kater, 

ich freue mich, dass ich mit der Bürgermedaille ein Redaktionsteam ehren darf, deren Produkt seit inzwischen über 20 Jahren ganz selbstverständlich zum Stadtbild gehört: „Abseits“ Es ist noch nicht lange her, dass der Name mit einem Ausrufungs- und mit Fragezeichen verbunden war. Auf der Internetseite der Zeitschrift erfährt man den Grund: „Das Ausrufungszeichen steht für den Skandal, dass Menschen in diesem Land im sozialen Abseits leben müssen, das Fragezeichen steht für die Frage, ob das wirklich so sein muss.“

Damit ist im Grunde genommen auch schon das Programm der Zeitschrift beschrieben, das in den vergangenen Jahren zahlreiche ehrenamtliche Redaktionsmitglieder und mehrere hundert Verkäufer Ausgabe für Ausgabe immer wieder aufs Neue verwirklichen: Sie bringen Licht in dieses Abseits, fragen nach den Ursachen und wollen nicht akzeptieren, dass die Verhältnisse so sind, wie sie sind.  Nach einem Relaunch hat das Redaktionsteam auf das Ausrufungs- und das Fragezeichen verzichtet und ein Semikolon an die Stelle des „i“ gesetzt. Ein Semikolon, das als Strich-Punkt dem "Abseits" im übertragenen Sinn einen neuen Inhalt folgen lässt und damit Notlagen nicht als Schluss-Punkt betrachten will.

Zurzeit wird die Zeitschrift von 30 Verkäufern angeboten – übrigens immer sehr diskret und freundlich. Dagegen würde ich den Charakter der Zeitschrift, die vom SKM herausgegeben wird, eher als eindeutig und klärend bezeichnen. Auf jeden Fall findet sie ihre Leser – was immerhin Beweis dafür ist, das sie eine Nische in einem schwierigen Umfeld gefunden und ausgefüllt hat. Und so darf ich mich an dieser Stelle mit einer Bitte zum Botschafter von Abseits machen: Große Lebensmittelgeschäfte in Osnabrück haben den Verkauf auf ihren Grundstücken verboten. Ich möchte darum bitten, wenn ich denn auf diese Weise irgendwie Gehör finden kann, erlauben Sie den Vertretern unserer Bürgermedaillenträgerin den Verkauf vor Ihren Türen. Ich versichere Ihnen, dass sich kein Kunde gestört fühlen wird.

Das wird auch deutlich durch die Begründung, in der es heißt: „Diese Auszeichnung erfolgt in Anerkennung des kontinuierlichen, ehrenamtlichen Einsatzes, mit dem es seit zwei Jahrzehnten den Mitarbeitern der Zeitung und ihren Beiträgen mit Erfolg gelingt, Verständnis für die Situation von Menschen in Notlagen zu wecken.“ Das ist IHR Erfolg, zu dem ich Ihnen gratuliere.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sehr geehrter Herr Dr. Gleisner,

„Abseits!?“ hat in diesem Jahr ihr 20jähriges Bestehen gefeiert, Sie feiern im kommenden Jahr das 20jährige Bestehen von Classic con brio – ohne dabei jemals den Elan für die Musik verloren zu haben. Ihr Name, sehr geehrter Herr Dr. Gleisner, ist so eng mit Classic con brio verbunden, dass man diesen fast als Synonym benutzen kann. Sie haben mit viel Schwung geschafft, diese jährlich stattfindende Konzertreihe so im Kulturleben der Stadt zu verankern, dass sie zu einem unverzichtbaren Teil geworden ist. Sie bieten Klassik für Profi-Hörer, aber auch Klassik für junge Leute, die sich mit ihrem Musikgeschmack vielleicht eher an Rap und Hiphop orientieren als an Beethoven, Brahms und Mahler. Sie bieten jungen Musikern in Osnabrück die Gelegenheit, mit internationalen Stars gemeinsam zu musizieren. Und Sie kommen Ihrem Publikum weit entgegen, ohne dabei die Musik aufzugeben. Sie kommen Ihrem Publikum entgegen und nehmen es mit in die Welt der Töne, Akkorde und Takte.

Sie machen mit Ihrer Konzertreihe dem Publikum ein Angebot, nämlich das Angebot, sich hinzugeben und sich einzulassen auf Erlebnisse und Erfahrungen, die nur die Musik anzubieten hat. Mit Classic con brio haben Sie sich zu einem Mittler zwischen den Welten gemacht. Und solche Mittler wie Sie, sehr geehrter Herr Dr. Gleisner, brauchen wir, weil der Zugang zur Welt der klassischen Musik offensichtlich immer schwerer fällt. Dabei ist bisweilen das Einfache schwer und das Schwere einfach – man muss eigentlich nur die Ohren öffnen und es darauf ankommen lassen. Und so laden Sie die Konzertbesucher zu Abenteuerreisen ein, die man nur in der und durch die Musik erleben kann. Mit dem Schlossverein Osnabrück im Hintergrund und zahlreichen Kooperationspartnern schaffen Sie der klassischen Musik in Osnabrück und Umgebung eine Bühne, die ihresgleichen sucht.

Deswegen heißt es in der Urkunde zu Ihrer Bürgermedaille, sehr geehrter Herr Dr. Gleisner: „Diese Auszeichnung erfolgt in Anerkennung des besonderen ehrenamtlichen Engagements, mit dem Herr Dr. Gleisner sich seit Jahrzehnten für die Vielfalt und die musikalische Lebendigkeit in der Stadt Osnabrück einsetzt, insbesondere für seine Verdienste als Initiator und Organisator des internationalen Musikfestivals „classic con brio“.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

nach den Richtlinien wird die Bürgermedaille der Stadt Osnabrück an Personen verliehen, die sich in außergewöhnlicher Weise um die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger verdient gemacht haben. Was hier so einigermaßen sperrig und abstrakt formuliert worden ist, wird durch die Träger der Bürgermedaille lebendig und konkret. Und so danke ich Ihnen, sehr geehrte Frau Bauß-Hernrichvark, dass Sie für Ihren verstorbenen Mann die Anerkennung unserer Stadt entgegennehmen, ich danke dem Redaktionsteam von Abseits und ich danke Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Gleisner. Im Namen der Stadt Osnabrück darf ich Sie für das beispielhafte Engagement auszeichnen. Unsere Gesellschaft braucht Menschen wie Sie, die einfach durch ihre Tätigkeit zu Vorbildern werden.

Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

SH OBGriesert

Foto: © Frank Wenzel